Die These dieser Woche: Die Angst vor einer arbeitslosen Gesellschaft ist weniger ein Daten als ein Sprachproblem. Solange Arbeit für uns Mühsal bedeutet, können wir eine Zukunft, in der die Maschine diese Mühsal übernimmt, nur als Verlust begreifen, niemals als Befreiung zu dem, was Tätigkeit eigentlich sein könnte.
Die Debatte über Künstliche Intelligenz und Arbeit kennt fast nur eine Richtung. Wegfallende Jobs, kommende Massenarbeitslosigkeit, eine Gesellschaft, die nicht mehr weiß, wohin mit sich. Letzte Woche stritten im Wall Street Journal gleich drei prominente Ökonomen über die Frage, ob KI mit dem historischen Muster bricht oder nicht. Die Sorge ist real, und sie ist legitim. Aber sie ist auffällig einseitig. Über die Verlustseite wird in jeder Talkrunde gesprochen. Über mögliche positive Entwicklungen kaum.
Dabei spricht die Geschichte eine andere Sprache. Jede technische Revolution hat nach einer Phase der Verwerfung am Ende mehr Beschäftigung hervorgebracht als zerstört, wie eine Untersuchung des McKinsey Global Institute zeigt. Rund sechzig Prozent der heutigen amerikanischen Erwerbstätigkeit findet in Tätigkeitsarten statt, die es 1940 schlicht noch nicht gab, wie eine Untersuchung von David Autor am MIT zeigt. Der Buchhalter wich nicht der Leere, sondern dem Finanzanalysten, dem Datenarchitekten, dem Berufsbild, das niemand vorhersehen konnte, weil es die Sprache dafür noch nicht gab.
