Ein Softwareentwickler sitzt den ganzen Tag vor seinem Bildschirm. Er schreibt aber kaum noch Code. Stattdessen schreibt er Sätze. Klare, präzise, unmissverständliche Sätze. Nicht für seinen Chef. Nicht für seine Kunden. Für eine Maschine.

Clive Thompson hat für das New York Times Magazine mehr als 70 Softwareentwickler bei Google, Amazon, Microsoft, Apple und diversen Startups befragt, die KI Agenten in ihren Arbeitsalltag integriert haben. Die Ergebnisse, erschienen im März 2026 unter dem Titel „Coding After Coders„, zeichnen ein Bild, das weit über die Softwarebranche hinausweist. Die Entwickler programmieren kaum noch, sondern sie prompten. Sie formulieren Anweisungen, Korrekturen, Kontexte. Und weil die KI, wie ein Befragter es formuliert, „abdriftet und das Falsche tut“, wenn man nicht „unglaublich klar" ist, haben sich diese Entwickler eine Disziplin antrainiert, die ihr Beruf nie explizit verlangt hat: sprachliche Präzision.

Im begleitenden Podcast „The Daily„ berichtet Thompson, dass mehrere Entwickler überrascht feststellten, plötzlich bessere E Mails zu schreiben, sich in Meetings klarer auszudrücken und in zwischenmenschlichen Gesprächen verständlicher zu werden. Manu Ebert, Gründer des Startups Hyperspell und ehemaliger Neurowissenschaftler, brachte es auf den Punkt: „I wonder if we're finally teaching all the nerds empathy.“ Das Argument dahinter: Der Beruf des Programmierers verlangte jahrzehntelang keine ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit in natürlicher Sprache. Jetzt schon.