Eine Maschine löst inzwischen 77 Prozent der Aufgaben in einem Test namens ARC AGI 2. Diese Sammlung neuartiger Logikrätsel ist so konstruiert, dass man sie nicht durch Auswendiglernen bewältigen kann, die ein durchschnittlicher Mensch ohne Spezialwissen zu etwa 60 bis 66 Prozent löst. Dieselben Maschinen bestehen juristische Staatsexamen im mittleren bis oberen Bereich, schreiben Programmcode auf dem Niveau erfahrener Entwickler und liefern bei standardisierten Kreativitätstests bessere Ergebnisse als die durchschnittliche menschliche Versuchsperson. Klar ist also, wenn wir Intelligenz im KI Zeitalter weiterhin als die Fähigkeit definieren, Aufgaben dieser Art zu lösen, haben wir den Daseins-Wettbewerb mit der Maschine bereits verloren.
Dario Amodei, der Chef des KI Unternehmens Anthropic, hat im Februar 2026 auf dem India AI Impact Summit in Neu Delhi eine Formulierung geprägt, die den Stand der Dinge nüchtern zusammenfasst. Er sprach von einem „Land voller Genies in einem Rechenzentrum", das in wenigen Jahren in den meisten denkerischen Aufgaben die meisten Menschen übertreffen werde. Die aktuellen Vergleichstests, die in der Fachwelt Benchmarks genannt werden, geben ihm Recht. Das Modell Gemini 3.1 Pro löst auf GPQA Diamond, einem Test mit Fragen auf dem Niveau einer naturwissenschaftlichen Promotion, 94,3 Prozent der Aufgaben korrekt. Im SWE Bench Verified, einem Praxistest gegen offene Programmierprobleme aus Github, einer der größten Plattformen für Softwareentwicklung, erreichen die führenden Modelle Werte um 80 Prozent. Eine im Januar 2026 in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichte Studie verglich mehr als 100.000 menschliche Versuchspersonen mit aktuellen Sprachmodellen im Hinblick auf Kreativität. Die Maschinen schlugen den durchschnittlichen Menschen bei weitem. Nur die obersten zehn Prozent der menschlichen Probanden lagen noch über den besten Modellen.
Wer diese Befunde ernst nimmt, steht vor einer Frage, die selten ausgesprochen, aber immer relevanter wird: Wenn das, was wir jahrhundertelang als Intelligenz feierten, also analytische Schärfe, schnelles Lernen, Sprachgewandtheit, Mustererkennung, in absehbarer Zeit von Software günstiger, besser und schneller geleistet wird, was bleibt dann eigentlich übrig vom alten Bildungsversprechen und der bisherigen gängigen menschlichen Selbstdefinition?